Maja von der Alme Maja von der Alme

Mein Name ist Maja von der Alme, aber auch wenn es so klingen mag, das "von" hat nichts mit irgendwelchen Adelstiteln zu tun. Es ist nur eine Andeutung auf meine Heimat, ein Dorf, das am Rande eines kleinen Baches erbaut wurde, der eben jenen Namen trägt: Alme. Und jenes kleine, beschauliche Dörfchen nenne ich mein Zuhause und das wird sicherlich noch viele Jahre so bleiben.

 Ich bin eine Fauna und gehöre zum Stamm der Alme-Faune. Wie viele andere Stämme unserer Art lebten wir sehr zurückgezogen von den Menschen, da diese sich auf dieser Erde über die Jahrhunderte hinweg immer weiter ausbreiteten und alles in Besitz nahmen, was sie konnten. Doch die Faune sind kein Volk von Gram und Trauer und so zogen wir uns zwar zurück, doch es wurde beschlossen, die Menschen und ihr Treiben weiterhin zu beobachten. Zu diesem Zweck bestimmte jeder Stamm einen (manchmal auch mehrere) Weltenwanderer.

Diese zogen dann aus um die Menschen und deren Tun zu beobachten, Zeichen ihres (meist religiösen oder spirituellen) Werdeganges, sowie Liedgüter, Geschichten und Bräuche zu sammeln. Hatten sie (nach ihrer eigenen Ansicht) ihr Werk vollbracht, kehren die Weltenwanderer zu ihrem Stamm zurück und berichten ausführlich von ihren Reisen. Doch auf diese Art und Weise bereichern die Faune nicht einfach nur ihr Wissen, sie bekämpfen auch eine Macht, vor der sie sich insgeheim fürchten: Dem Vergessen. Denn die Menschen glauben oft nur noch an das, was sie auch sehen.

Auch ich wurde dazu auserkoren, meinem Stamm neues Wissen zu beschaffen und in den Köpfen der Menschen den Glauben an die Anderswesen aufrecht zu erhalten und so zog ich hinaus in die Welt, von Ort zu Ort, von Festlichkeit zu Festlichkeit, überall dort hin, wo meines Gleichen noch willkommen ist. Doch da ich sehr Heimatverbunden bin, hielt es mich nicht allzu lange in der Ferne und ich beschloss, für kurze Zeit zu meinem Stamm zurückzukehren und mich dann erneut auf Wanderschaft zu begeben. Aber als ich zurückkehrte, war nichts mehr wie zuvor...

Erneut hatten die Menschen ihrem Streben nach irdischem Besitz nachgegeben und sich das Land, welches wir seit Jahr und Tag bewohnten, zu Eigen gemacht. Von meinem Stamm, meiner Familie fehlte bei meiner Rückkehr jede Spur... Ich wollte schreien, toben, die Häuser der Menschen niederbrennen und sie vertreiben, doch mein Herz ward mir so schwer, dass ich nichts weiter tun konnte, als mich am Rande des Dorfes, welches nun entstanden war, auf einen Stein zu setzten und dem nachzutrauern, was für mich für immer verloren war.

Es dauerte natürlich nicht lange bis die Menschen mich entdeckten und neugierig mit Fragen bestürmten. Wer und vor allem was ich denn sei, woher ich käme und was ich denn wollte. Ich war vollkommen verwirrt, denn wenn sie nicht wussten was ich war, hieß das ja, dass sie meinem Stamm gar nicht begegnet waren. Ich erzählte also meine Geschichte und fragte jeden nach Meinesgleichen, doch jeder beteuerte, ich sei die erste Fauna, die sie je zu Gesicht bekommen hätten. Sicher kennen die Menschen in ihrem Tun so manches mal kein Maß, doch sind ihre Herzen im Grunde rein, wie das jedes Geschöpfes der Mutter Erde und so glaubte ich ihnen. Sie erzählten mir, sie hätten das Tal auf ihrer Suche nach neuem Baugrund verlassen vorgefunden, nur ein paar wenige kaputte Zelte, Schalen und Utensilien hätten davon gezeugt, das dieses Land bereits bewohnt gewesen war. Ich war zutiefst betrübt, denn was wenn nicht die Menschen hatte mein Volk dazu getrieben, ihre Heimat zu verlassen? Ich konnte auf diese Frage keine Antwort finden und so beschloss ich, bei den Menschen in diesem Dorf zu bleiben. Magiebegabt, wie alle Faune mehr oder weniger sind, nahm ich vorübergehend menschliche Gestalt an und wurde bald ein Teil der Gemeinschaft des kleinen Dorfes an der Alme.

Doch die Ungewissheit blieb. Was war mit meinem Stamm geschehen? Gab es noch andere wie mich und wenn ja, waren sie vielleicht auch in Gefahr? Ich war von Unruhe getrieben und ich entschloss meine Aufgabe des Weltenwanderns erneut aufzunehmen. So konnte ich neues Wissen sammeln und mich auf die Suche nach anderen Vertretern meiner Art machen. Und wer weiß, vielleicht finde ich auf meinen Reisen auch Spuren meines Stammes und wenn ich ihn gefunden habe, gibt es wahrlich viel zu berichten.